Kurzfazit: Mobile Partikelfilter können in einer Physiotherapiepraxis ergänzen, sind aber keine pauschale Infektionsschutzgarantie. Lüftung, Hygieneplan und Gefährdungsbeurteilung bleiben maßgeblich.
Eine starre Forderung nach HEPA H13 und 400 m³/h passt nicht zu jeder Praxis. Bedarf und Schutzmaßnahmen hängen von Raum, Belegung, Behandlung und vorhandener Lüftung ab.
Zuerst dimensionieren, dann kaufen
Beispielrechnung: 20 m² × 2.5 m Raumhöhe = 50 m³. Bei einer beispielhaften Auslegung mit 4 Luftwechseln pro Stunde ergibt sich ein Volumenstrom von 200 m³/h. Das ist eine transparente Rechengröße, keine allgemeingültige behördliche Mindestvorgabe.
Nutze den CADR-Rechner und plane Reserve ein, weil der maximale Luftdurchsatz meist nicht dem angenehm leisen Dauerbetrieb entspricht.
Die wichtigsten Auswahlkriterien
- Raumvolumen, Belegung und Behandlungsart getrennt bewerten.
- Außenluftzufuhr nach ASR A3.6 sicherstellen.
- Partikelfilter nur als Ergänzung und mit dokumentierter Wartung einsetzen.
- Geräusch und Luftströmung während der Behandlung praktisch testen.
- Bei erhöhtem Infektionsrisiko den Hygieneplan und die BGW-Hinweise beachten.
Entscheidungstabelle: Was hat Vorrang?
| Situation | Vorrangige Maßnahme | Rolle des Luftreinigers |
|---|---|---|
| CO₂ steigt während der Behandlung | Lüftung und Außenluftzufuhr verbessern | senkt CO₂ nicht |
| Zusätzliche Partikelreduktion gewünscht | Raumvolumen und Zusatz-CADR berechnen | kann ergänzen |
| Besondere Infektionsgefährdung | Hygieneplan und Gefährdungsbeurteilung | keine alleinige Schutzmaßnahme |
Was der Luftreiniger nicht ersetzt
- Kein Ersatz für Lüften.
- Keine Entfernung von CO₂ oder Feuchtigkeit.
- Keine medizinische Zertifizierung allein durch HEPA-Marketing.
- Keine Garantie gegen Übertragung von Krankheitserregern.
Praxisplan
- Gefährdungsbeurteilung und Hygieneplan prüfen.
- CO₂ und Nutzungsmuster beobachten.
- Erforderlichen Zusatzvolumenstrom transparent berechnen.
- Ein Gerät zunächst in einem Raum testen, bevor mehrere Geräte beschafft werden.
Betriebsmodus statt Prospektwert prüfen
Die Beispielrechnung ergibt 200 m³/h für einen 20-m²-Raum bei vier rechnerischen Luftwechseln. Ein Gerät sollte diesen Volumenstrom in der Stufe liefern, die während einer Behandlung hinsichtlich Geräusch und Zugluft akzeptabel ist. Der maximale CADR allein reicht für die Auswahl deshalb nicht.
Erfasse im Probebetrieb CO₂-Verlauf, Belegung, Türzustand, Geräusch und Filterwartung. So wird sichtbar, welche Belastung durch Außenluft gelöst werden muss und wo zusätzliche Partikelfiltration tatsächlich Nutzen bringt.
Quellen und Datenstand
Datenstand: 14. Juli 2026. Herstellerangaben sind Labor- oder Maximalwerte und können je nach Betriebsstufe und Raum abweichen.
- BGW: Gefährdungsbeurteilung in therapeutischen Praxen
- BGW: Darum ist Lüften in Arbeitsräumen wichtig
- BAuA: Technische Regel ASR A3.6 Lüftung
- Umweltbundesamt: Mobile Luftreiniger nur als Ergänzung zum Lüften
Häufige Fragen
Sind sechs Luftwechsel immer vorgeschrieben?
Nein. Eine pauschale Vorgabe für jede Physiotherapiepraxis lässt sich daraus nicht ableiten. Die passende Maßnahme hängt von Raum und Nutzung ab.
Kann ein Luftreiniger Infektionen verhindern?
Er kann Partikel in der Umluft reduzieren, garantiert aber keinen Infektionsschutz.
Warum ist CO₂ wichtig?
CO₂ ist ein Indikator für die Außenluftversorgung bei personenbedingter Belastung. Ein Luftreiniger senkt den CO₂-Wert nicht.
