Ob an einer kalten Außenwand Schimmel droht, entscheidet sich nicht an der Luftfeuchte, die dein Hygrometer mitten im Zimmer anzeigt – sondern an der Temperatur der Wandoberfläche selbst. Dieser Rechner übersetzt Raumtemperatur und relative Luftfeuchte in zwei konkrete Werte: den Taupunkt (ab dem sichtbares Kondenswasser entsteht) und die kritische Wandtemperatur (ab der schon deutlich vorher Schimmel wachsen kann). Kostenlos, ohne Anmeldung, ohne Produktbezug.
Auf einen Blick: Sichtbares Kondenswasser entsteht am Taupunkt (100 % Oberflächenfeuchte). Schimmel braucht das gar nicht erst – rund 80 % Oberflächenfeuchte an einer kalten Wand reichen laut Umweltbundesamt bereits aus. Der Rechner zeigt dir beide Schwellen für deine eingegebenen Werte, plus eine Ampel-Einordnung.
Interaktiver Taupunkt- und Wandtemperatur-Rechner
Gib deine Raumtemperatur und relative Luftfeuchte ein. Wenn du eine Wandoberfläche mit einem Infrarot-Thermometer gemessen hast, trag den Wert zusätzlich ein – dann bekommst du eine genaue Ampel-Einordnung für genau diese Stelle statt nur eine allgemeine Einschätzung der Raumluft.
Dein Taupunkt- und Schimmelrisiko-Check
Miss an der kältesten Stelle im Raum (Außenecke, Fensterlaibung, hinter Schränken an Außenwänden). Ohne Messwert bewertet die Ampel unten nur die allgemeine Raumluftsituation.
Taupunkt (≈100 % Oberflächenfeuchte)
ab hier: sichtbares Kondenswasser
Kritische Wandtemperatur (≈80 % Oberflächenfeuchte)
ab hier: Schimmelrisiko laut UBA-Leitfaden
–
Werte eingeben, um eine Einschätzung zu erhalten.
Näherungswerte nach der Magnus-Formel. Ersetzt keine Messung vor Ort und keine Begutachtung durch einen Sachverständigen – Details siehe „Grenzen des Rechners“ unten.
Was ist der Taupunkt – und warum entscheidet die Wandtemperatur?
Der Taupunkt ist die Temperatur, bei der Luft mit einer bestimmten Feuchte rechnerisch 100 % relative Feuchte erreicht – kühlt eine Oberfläche unter diesen Wert ab, schlägt sich sichtbares Kondenswasser nieder. Das ist der Wert, den die meisten frei verfügbaren Taupunkt-Rechner im Netz ausgeben. Für die Schimmelfrage reicht das aber nicht: Schimmelpilze brauchen kein flüssiges Wasser, um zu wachsen.
Nach dem Schimmelleitfaden des Umweltbundesamts reichen bereits dauerhaft rund 80 % relative Feuchte direkt an der Bauteiloberfläche, damit viele in Innenräumen relevante Schimmelpilzarten wachsen können. Diese Oberflächenfeuchte hängt nicht von der Luftfeuchte im Raum ab, die dein Hygrometer anzeigt, sondern von der Temperatur genau dieser Oberfläche: Eine kalte Wandecke kann lokal schon 80 % Oberflächenfeuchte erreichen, während die Raumluft insgesamt noch bei unauffälligen 50–55 % liegt. Deshalb rechnet dieser Rechner zwei Werte statt nur einem – den Taupunkt für „wo tropft es" und die kritische Wandtemperatur für „wo wird es für Schimmel gefährlich, lange bevor etwas tropft".
Besonders betroffen sind Außenecken, Fensterlaibungen und Wärmebrücken – Stellen mit schwächerer Dämmung, etwa hinter Schränken an Außenwänden. Die ausführliche Einordnung inklusive Risikofaktoren und Gegenmaßnahmen liefert unser Ratgeber Schimmel durch Luftbefeuchter? Risiken erkennen & richtig gegensteuern.
Methodik: Wie der Rechner rechnet
Beide Werte berechnet der Rechner mit der Magnus-Formel (Magnus-Tetens-Näherung), dem physikalischen Standardverfahren zur Berechnung des Sättigungsdampfdrucks von Wasserdampf in Luft. Verwendet werden die vom Deutschen Wetterdienst genutzten Koeffizienten:
Daraus ergibt sich der tatsächliche Dampfdruck e = ES(Raumtemperatur) × relative Luftfeuchte. Der Taupunkt ist die Temperatur, bei der ES genau diesem Dampfdruck e entspricht (100 % Sättigung). Die kritische Wandtemperatur ist die Temperatur, bei der ES dem Wert e ÷ 0,80 entspricht – also die Temperatur, bei der die Oberfläche genau 80 % Feuchte erreicht, den Schwellenwert aus dem UBA-Schimmelleitfaden. Dieser 80-%-Wert korrespondiert mit dem Feuchteschutz-Kriterium der DIN 4108-2 zum Mindestwärmeschutz.
Stand: 16.08.2026. Die zugrunde liegenden Werte sind mit der Taupunkt-/Wandtemperatur-Tabelle in unserem Artikel Schimmel durch Luftbefeuchter abgeglichen – beide Seiten nutzen dieselbe Formel und dieselbe Schwelle, damit sich unsere eigenen Inhalte nicht widersprechen. Wie wir grundsätzlich Werte prüfen und belegen, erklären wir unter Wie wir bewerten.
Vier Rechenbeispiele
Die folgende Tabelle zeigt die exakten Rechnerwerte für vier typische Raumklima-Situationen. Sie deckt sich mit den gerundeten Näherungswerten aus unserem Schimmel-Ratgeber.
| Raumklima | Taupunkt | Kritische Wandtemperatur (≈80 %) |
|---|---|---|
| 20 °C / 40 % r. F. | 6,0 °C | 9,3 °C |
| 20 °C / 50 % r. F. | 9,3 °C | 12,6 °C |
| 20 °C / 60 % r. F. | 12,0 °C | 15,4 °C |
| 22 °C / 50 % r. F. | 11,1 °C | 14,5 °C |
So liest du das: Bei 20 °C und 50 % relativer Luftfeuchte im Raum tropft an einer Wandoberfläche unter 9,3 °C sichtbares Kondenswasser – aber schon ab 12,6 °C Wandtemperatur beginnt rechnerisch der Bereich, in dem Schimmel wachsen kann, obwohl noch nichts zu sehen ist. Das ist der Kern, warum die 60-%-Faustregel fürs Raumklima keine Garantie für jede einzelne Wandfläche ist.
Grenzen des Rechners – was er nicht leisten kann
- Näherung, keine Vermessung. Die Magnus-Formel ist ein anerkanntes physikalisches Standardverfahren, liefert aber wie jede Formel einen Näherungswert – kein Ersatz für eine Messung vor Ort.
- Keine Material- oder Bauteilphysik. Wie schnell und wie stark eine Wand tatsächlich auskühlt, hängt von Dämmung, Wandaufbau, Luftströmung und Wärmebrücken ab – das kann kein Online-Rechner ohne Bauteildaten abbilden.
- Kein Ersatz für ein Hygrometer oder Infrarot-Thermometer. Der Rechner ersetzt keine echte Messung deiner Raumluft oder Wandoberfläche – er hilft dir, gemessene oder geschätzte Werte einzuordnen.
- Kein Ersatz für eine Sachverständigen-Begutachtung. Bei bereits sichtbarem Schimmel, wiederkehrendem Befall oder größeren Flächen ersetzt dieser Rechner keine fachliche Begutachtung. Nach Einschätzung des Umweltbundesamts lassen sich nur kleine, oberflächliche Flächen (bis etwa 0,5 m²) unter Vorsichtsmaßnahmen selbst behandeln – Details dazu im Schimmel-Ratgeber.
- Die Ampel ohne Wandmesswert ist eine Raumluft-Einschätzung, keine Wand-Diagnose. Ohne gemessene Wandtemperatur bewertet die Ampel nur die allgemeine 60-%-Faustregel fürs Raumklima – das genaue Risiko an einer konkreten kalten Stelle kennst du erst mit einer echten Messung dort.
Häufig gestellte Fragen
Ist der Taupunkt dasselbe wie die kritische Schimmel-Schwelle?
Nein. Der Taupunkt markiert 100 % Oberflächenfeuchte – ab hier tropft sichtbares Kondenswasser. Schimmel braucht das nicht: Rund 80 % Oberflächenfeuchte reichen laut UBA-Schimmelleitfaden bereits aus. Die kritische Wandtemperatur liegt deshalb immer über dem Taupunkt – das Schimmelrisiko beginnt, bevor irgendwo Wasser sichtbar wird.
Woher bekomme ich die Wandoberflächentemperatur für das optionale Feld?
Am einfachsten mit einem günstigen Infrarot-Thermometer, das du auf die verdächtige Stelle richtest (Außenecke, Fensterlaibung, hinter Möbeln an Außenwänden). Ohne dieses Gerät kannst du das Feld leer lassen – der Rechner bewertet dann nur deine allgemeine Raumluftsituation.
Kann sich unter 60 % Luftfeuchtigkeit im Raum schon Schimmel bilden?
Ja. Die 60-%-Marke ist eine Faustregel für die Raumluft insgesamt, kein Garantiewert für jede einzelne Wandfläche. Genau deshalb rechnet dieser Rechner mit der Wandtemperatur statt nur mit der Raumluftfeuchte: Eine kalte Außenwand kann schon bei unauffälligen 50–55 % Raumluftfeuchte lokal die 80-%-Schimmelschwelle erreichen.
Was mache ich, wenn der Rechner „kritisch" anzeigt?
Zwei Hebel wirken sofort: Luftfeuchte senken (regelmäßig stoßlüften, Feuchtequellen reduzieren, Luftbefeuchter zurückregeln) und die betroffene Fläche beobachten. Zeigen sich bereits Verfärbungen, ein muffiger Geruch oder wiederkehrender Befall, hilft kein Nachjustieren mehr – dann braucht es eine fachliche Begutachtung. Details zur Vorgehensweise findest du im Schimmel-Ratgeber.
Ist dieser Rechner nur für Luftbefeuchter-Nutzer relevant?
Nein. Die Physik dahinter gilt unabhängig davon, woher die Luftfeuchte kommt – Kochen, Duschen, Wäschetrocknen, Pflanzen, Atmung oder eben ein Luftbefeuchter. Der Rechner ist bewusst produktneutral gehalten und macht keine Geräte- oder Kaufempfehlung.
Weiterführende Ratgeber
- Schimmel durch Luftbefeuchter? Risiken erkennen & richtig gegensteuern – die ausführliche Einordnung inklusive Risikofaktoren und Sofortmaßnahmen
- Luftbefeuchter richtig einstellen – Zielwert, Laufzeit und Standort Schritt für Schritt
- Optimale Luftfeuchtigkeit – der empfohlene 40–60-%-Korridor im Detail
- Wie wir bewerten – unsere Methodik im Überblick
Mehr rund um Luftbefeuchter, Luftfeuchtigkeit und Raumklima findest du in unserem großen Luftbefeuchter-Vergleich.
